Kurze Geschichte des Stadtbaus
 

Nur wenige Städte sind an der gleichen Stelle immer wieder neu aufgebaut worden, eine davon ist Rom. Die erste Besiedelung der Gegend um die Tibermüdung geht auf das 8. Jh. v. Chr. zurück, in eine Zeit, in der das Mittelmeer von den unterschiedlichsten Mächten durchzogen und beherrscht wurde. Händler brachten von den Küsten Afrikas wertvolle Vasen und Amphoren, Wein und Öl, sowie Macht und Kultur nach Italien, so dass sich gerade die Gegend, in der heute Rom liegt, langsam zu einem Handelszentrum entwickelte. Zwar war der Ort zu jener Zeit – sowohl was die Einwohnerzahl betrifft, aber auch was den Einfluss und die Mächtigkeit des Handelszentrums anbelangt, im Vergleich mit anderen Zentren noch relativ klein, und doch bildete das den Grundstein für jene Stadt, die für lange Zeit zum Nabel der Welt werden sollte. Aus diesem kleinen Ort und seiner guten Handvoll Einwohner – einfache und zähe Leute, die über die Jahrhunderte gelernt haben, wie man Menschen und ganzen Völkern begegnet und wie man sie sich untertan macht – sollte sich schließlich eine neue, hochrangige Kultur entwickeln, die noch heute in Staunen versetzt.

Für die erste Strasse verwendeten die Römer glattes Leucit- und Vulkangestein, was zur damaligen Zeit eine echte Neuerung darstellte. Sie verlief beinahe exakt an jener Stelle, an der auch die Via Appia Antica aus dem Jahr 312 v. Chr. gebaut wurde und es dürfte wohl in einer Zeit, in der es quasi keine Straßen gab, d. h. weder solche, die eben noch solche, die gerade waren, ein besonderer Genuss gewesen sein, auf dieser Straße zu gehen oder zu reiten.

Mindestens genauso außergewöhnlich und herausragend dürfte einige Jahrhunderte später die Errichtung solch imposanter Gebäude wie des Pantheons oder der Caracalla-Termen auf die damalige Bevölkerung gewirkt haben. Solche Gebäude schienen der Schwerkraft zu trotzen und ihre Spitze vermittelte den Betrachtern wohl den Eindruck, als würden sie den Himmel direkt berühren und unmittelbar zu Juno oder Jupiter hinreichen. Im Großen und Ganzen erreichten die Römer daher ein sehr hohes Niveau was Urbanität, Technik und Architektonik anbelangt, die bis zur Zeit der Renaissance unübertroffen blieben. Auch die politische, bürgerliche und juridische Organisation ihres Gemeinwesens hat bleibenden Eindruck hinterlassen, zumal wir heute die direkten Erben dieses Systems sind.

Doch nicht nur die Imperialzeit, sondern auch der Einfall der Barbaren und das Mittelalter zeugen von einem lebhaften Wandel der ewigen Stadt. Nach dem Niedergang des Großreichs ging die Bevölkerung Roms von mehreren Millionen auf wenige Zehntausende Personen zurück, die sich auf wenige Teile der Stadt konzentrierten. Auf diese Weise blieben die Innenräume der Basiliken, die Apostelgräber, sowie neue, kleine Kirchen des Mittelalters erhalten. Darüber hinaus änderte sich auch das ganze Leben der Menschen, angefangen damit, dass die weitverzweigten Geschäftswege zusammenbrachen und die Wirtschaftlichkeit abnahm (in vielen Fällen kehrte man zum Tauschhandel zurück). Auch die Konstruktionstechniken änderten sich, wurden die Häuser doch fortan kleiner angelegt, dafür aber höher gebaut und die Stadt selbst wich auf einen kleinen Kern zurück. Auch das Zeitmaß änderte sich und glich sich fortan dem Rhythmus der Felder und damit der Landwirtschaft an, der von den Geschichten, Wundern und Martyrien der Heiligen zeitweilig unterbrochen wurde. Zugleich setzte auch ein Mentalitätswandel ein und damit auch eine Änderung der Wertvorstellungen: Die Menschen sammelten sich vor byzantinischen Marienstatuen und dem Bildnis des Jesukindes zum Gebet, während parallel dazu eine neue, schlichte aber intensive Spiritualität in den Klöstern aufkam.



 
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