POMPEJI UND SEIN ALLTÄGLICHES LEBEN

Am späten morgen des 24. Augustes des Jahres 79 v. Chr.: eine dichte schwarze Wolke erhebt sich aus dem Berg Vesuv. Die Gestalt der Wolke erinnert an einen Pinienbaum; sie wächst ständig und in einigen Stunden bedeckt sie den ganzen Himmel, während brennenden Steine anfangen, überall auf den Boden zu fallen. Die Erde bebt die ganze Zeit und als es gerade Mittag war, fällt plötzlich Dunkelheit auf Pompeji und seine Umgebung. Die schlimmste und todgefährlichste Phase der Eruption erfolgt nach wenigen Stunden, bei Sonnenaufgang des 25. Augusts. Das Meer tritt zurück und eine heiße Dampfflut aus Asche breitet sich mit wirbelsturmartiger Geschwindigkeit aus und begräbt Bäume, Menschen und alles was zu ihrem Lebensalltag gehörte, unter sich. Die Einwohner von Pompeji, die gerade dabei sind, sich vor den herabfallenden Steinen mit Kissen und Decken zu schützen und versucht sind, die Stadt zu verlassen, werden versteinert. Pompeji wird völlig verschüttet und die Zeit bleibt stehen: Öllampen, Halsketten aus Edelsteinen, Gewichte, Gladiatorenhelme, Wasserleitungen und Entwässerungsrohre, Betten, Einschnitte am Eingang von Lebensmittelgeschäfte, Amphoren, Karren, Fresken in den reichen Häusern, Straßen, Küchengeräte aus Bronze und Eisen, Statuen von Göttern und sogar ein letzter Kuss von Liebenden: alles wird in seinem letzten Lebensatmen konserviert.

Von dieser Katastrophe besitzen wir zwei Berichte aus erster Hand: zwei außerordentliche und rührende Briefe von Plinius, dem Jüngeren. Als römischer Historiker war er zur Zeit des Vulkanausbruchs selbst in der Campania und beschreibt in diesen uns überlieferten Briefen seine eigenen Beobachtungen und das, was die Überlebendem ihm schließlich erzählten.

In unseren Führung werden wir versuchen, die ganze Stadt ein zweites Mal zum Leben zu erwecken, indem wir Ihnen von der Kultur jener Zeit und dem alltäglichen Leben der Menschen in Pompeji erzählen: Über die Rolle der Familie, die Beziehungen zwischen Generationen, die Stellung der Frau, die Hochzeiten, die Rolle der Sklaven, die Kleidung der unterschiedlichen sozialen Schichten sowie über die Politiker und die Stadtregierung, deren Methode der Wahlpropaganda und vieles andere mehr. Außerdem sollen zur Sprache kommen, wie die Produktion von Brot vor sich ging, welche Handelsbeziehungen es gab, wie Kleider gefärbt wurden und wie kostbar das Olivenöl für diese Zeit war. Auch das religiöse Leben mit seinen verschiedenen Tempeln, Kulten, Glauben und Aberglauben sowie Begräbnisritualen lassen sich an der Ruinenstadt Pompeji gut veranschaulichen, wie auch der Stil des römischen Hauses. Wir werden die Zimmer eines antiken Hauses betreten und sehen, wie sie benutzt wurden, wie geheizt und wie gegessen wurde; Anhand der Fresken und Mosaiken lässt sich die Entwicklung verschiedener Stile gut nachzeichnen. Wir werden einen Rundgang durch die Gärten machen, Wasserleitungen, öffentliche und private Beleuchtungseinrichtungen der damaligen Zeit kennen lernen und antike Toiletten sehen. Des Weiteren sollen auch noch die Orte des „Müßiggangs“ aufgesucht werden, so z.B. das Amphitheater, indem (wie für die damalige Zeit üblich) Gladiatorenkämpfe verschiedener Gladiatorenschulen stattfanden, die Thermen, Kneipen, Orte für Glücksspiele und die im römischen Reich weit verbreitete Bordelle, in denen sowohl Frauen als auch Männer sich der freien Liebe hingaben.

 
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