Beschreibung: Nur wenige Museen bieten uns eine so breite Palette von Meisterwerken, versammelt im Innern eines historischen Gebäudes im Herzen einer der großen Städte der Kunst, wenige Schritte von den Orten entfernt, wo die Begeisterung und die neuen Ideale der Renaissance Gestalt angenommen haben, wo die großen Künstler jener Zeit malten, spazieren gingen und träumten. Wir laden Sie ein zu einem begeisternden Erlebnis, darauf ausgelegt, vermittels einer sorgfältigen Auswahl von Werken die historischen Ereignisse, kulturellen Revolutionen, die Sprache der Kunst sowie die Charaktere von Künstlern und Herrschern, Wissenschaftlern und Humanisten zu entdecken und zu verstehen, die der italienischen Renaissance ein Gesicht verliehen haben.
Die Uffizien
Im Jahre 1559 entscheidet Cosimo de' Medici, den Palazzo Vecchio, ein Symbol der Freiheit der vorangehenden republikanischen Regierungsform und Sitz der städtischen Magistratur, zur eigenen offiziellen Residenz umzuwandeln, und vergibt an den Architekten Giorgio Vasari den Bauauftrag für ein majestätisches Gebäude, vorgesehen für die Stadträte, die trotz eingebüßter Entscheidungsgewalt und Unabhängigkeit weiterhin existieren. So werden also im April 1561 die Bauarbeiten an den Uffizien im Rückgriff auf eine Tradition des antiken Roms begonnen mit einer feierlichen Zeremonie, bei der in die Fundamente des Gebäudes einige Bronzemedaillen, eigens für diesen Anlass geprägt, eingemauert werden.
Das Unternehmen ist, nach Bekunden des genannten Vasari, ehrgeizig: das Gebäude mit zwei in Hufeisenform verbundenen Flügeln, unmittelbar am Arno gelegen, findet seine Fundamente nur wenige Meter vom Wasser des Stromes entfernt, so dass der ganze Komplex fast magisch zu schweben scheint. Doch nach nur vier Jahren stellt Cosimo de' Medici neben dieses Projekt, anlässlich der Hochzeit des Erben Francesco mit Johanna von Österreich, den unglaublichen Vasari-Korridor: ein langer Korridor, zumeist aufruhend auf Arkaden, der die Uffizien durchquert, dem Arno folgt, über Ponte Vecchio und an der Kirche der Hl. Felicitas vorbei, und so einen abgesonderten Weg mitten durch die Stadt schafft, vermittels welchen die Herrscher sich ungestört von ihrer offiziellen Residenz in Palazzo Vecchio zum neuen Familienpalast, Palazzo Pitti, am anderen Flussufer bewegen konnten.
Hier nimmt die Geschichte der Uffizien ihren Anfang, die 1574 das erste öffentliche Museum der Geschichte bilden werden, wodurch vor allem die Adligen und Kunstliebhaber ganz Europas und sehr bald des ganzen Planeten in den Bann gezogen werden sollen. Die beherbergten Sammlungen sind in der Tat absolut einzigartig, und werden uns eine grandiose Reise durch die Kultur der Renaissance ermöglichen, und unterwegs deren charakteristische Veränderungen vor Augen führen, wie auch einige der weitreichendsten technischen und stilistischen Innovationen, die die gesamte Geschichte der Kunst geprägt haben.
Die Sammlungen
Beginnen wir bei Cimabue und Giotto, deren Figuren – wenn auch noch recht statisch und in einen reichen Goldgrund getaucht, wie er für die byzantinische Kunst typisch ist – eine neuartige Körperlichkeit, Räumlichkeit und Expressivität erlangen, was in großem Maße weiter entwickelt werden wird in den Werken der Maler der nachfolgenden Generationen, zu denen etwa Masolino, Masaccio und Beato Angelico zählen. Die großartige Jungfrau mit Kind und zwei Engeln (1455-1466) von Filippo Lippi, die mit maßvollen Farbnuancen spielt, um in einer einzigen poetischen Atmosphäre das Antlitz der Jungfrau und des Kindes mit der sanften Landschaft des Hintergrundes und sogar mit den Wolken in Einklang zu bringen, ist bereits eine große Synthese der Renaissancekunst, wie auch die Portraits von Battista Sforza und Federico di Montefeltro (ca. 1474) von Piero della Francesca, dessen sich im Profil gegenüberstehenden Figuren in vollem Umfang die neuen Werte des Renaissance-Menschen. Die Wiederentdeckung der klassischen Kultur, die Perspektive, die Vermenschlichung der Personen, welche in einem natürlichen Umfeld zusammen geführt werden, und das Interesse für wirklichkeitsgetreue Details sind einige der Aspekte, welche wir vertiefen werden.
Die Arbeiten von Sandro Botticelli - Exponent ersten Ranges für das Florenz des Lorenzo il Magnifico – sind zahlreich vertreten in den Uffizien, und im Grunde alle der Aufmerksamkeit würdig. Der Frühling (ca. 1481) mit seinen anmutigen, in einem immerblühenden Garten schwebenden Figuren, und Die Geburt der Venus (ca. 1484), die zum Ufer bewegt wird durch das Pusten von Zephyrus, dem Gott der Winde, welcher liebenswürdig Rosen regnen lässt; beide stellen klassische antike Mythen dar mit einem solchen Sinn für das Wunderbare, Leichte und Schöne, dass sie uns unmittelbar mit hineinnehmen in eine neue Auffassung vom Menschen und seiner unbegrenzten Fähigkeiten, die typisch ist für die Renaissancekünstler, und so prägend, dass Leonardo da Vinci den Menschen für des Fliegens fähig hielt und dazu fantastische Flügelkonstrukte entwarf.
Nach einigen schönen Werken von Perugino werden wir die Räume der erlauchtesten Meister erreichen. Die Verkündigung (1472) von Leonardo da Vinci und seine Anbetung der Könige (1481-82), welche er mit wenig mehr als dreißig Jahren schuf, werden uns eintauchen lassen in die große Kunst eines außergewöhnlichen Genies. Seine Gegensätze, seine Nuancen, seine breit angelegten Interessen und seine Forschungen auf allen Gebieten der Kunst, seine äußerst bescheidene Zurücknahme als „ungebildeter“ Mann, als welchen er sich selbst traurig begriff, insofern er die klassischen Werke nicht, nach Art der zeitgenössischen Intellektuellen, im lateinischen und griechischen Original zu lesen vermochte, seine außerordentliche Begabung, in seinen Werken eine extreme formale Strenge zu verschmelzen mit einer Manie für die kleinen ausdrucksstarken Details sowie einer emotionalen und kompositorischen Dichte, welche nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: all dies wird im Verlauf unserer Führung weiten Raum einnehmen.
Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen die vielen Werke von Raffaello Sanzio, darunter die Madonna del Cardellino (1505), bei welcher der Künster die Gefühle in der Beziehung der heiligen Figuren zueinander herausarbeitet und das Portrait von Leo X (1518), auf welchem das feine Spiel des Lichtes die Geometrie der Macht preist, eingebunden in feine Variationen der Schattierungen von intensivem Rot.
Das Tondo Doni (ca 1506) von Michelangelo, dessen ganze Komposition mit den gängigen Regeln bricht und die Plastizität der Figuren, welche zu einer einzigen wunderbaren Umarmung eingedreht sind, werden unseren Streifzug durch die Werke dieser beiden Künstler abrunden, welche bald im Gefolge der veränderten politischen Bedingungen die Stadt in Richtung Rom verlassen werden. (Für deren in Rom befindliche Werke können Sie unsere Stadtführungen Rom konsultieren)
Einige Künstler des Veneto wie Giorgione und Tiziano wie auch die manieristischen Entwicklungen der Renaissancekunst bei einigen Künstlern wie Pontormo, Rosso Fiorentino und Bronzino verdienen einen Halt, vor allem für die teilweise überraschende Modernität, die einige ihrer Werke auszeichnet.
Der letzte Künstler, dem wir uns in Gänze widmen, wird Caravaggio sein, dessen neue Bildsprache mit höchster Vitalität seine strahlende und tiefe Interpretation der Existenz vermittelt. Medusa (1596) mit den aus Götterzorn zu Schlangen verwandelten Haaren und den eisigen, todbringenden Augen, wie auch das Opfer Isaaks (1603), auf welchem dem beginnenden Drama durch Engelshand Einhalt geboten wird, sind Darstellungen von existentiellen Dramen, gemalt in rauen und explosiven Zügen, eines weiteren großen Ausnahmekönners der italienischen Kunst.
Beschließen werden wir unseren Besuch mit einem Gang entlang des Vasari-Korridors bis zum Ponte Vecchio, wo die Fluten des Stromes Ihnen Gesellschaft leisten können bei der romantischen Nachlese eines emotional und geistig gehaltvollen Erlebnisses. |